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Leva Wenzel

Leva Wenzel

KURZVITA

  • Studium der Kunstgeschichte und Philosophie (B.A., M.A.) und der Rechtswissenschaften (1. Jur. Staatsexamen) an der Humboldt Universität, Berlin
  • 2010 – 2016: Studentische Mitarbeit, Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte, Prof. Dr. Horst Bredekamp, Humboldt Universität, Berlin
  • 2016: Bard Graduate Center, New York, Fulbright Commission
  • 2017: Princeton University, DAAD
  • 2017 – 2018: Wiss. Mitarbeit, „The Nomos of Images“, Dr. Carolin Behrmann, Kunsthistorisches Institut Max Planck (KHI), Florenz
  • 2018 – 2019: Wiss. Mitarbeit, „Forum Recht Karlsruhe“, Prof. Dr. Dr. hc. mult. Susanne Baer (LL.M.), Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe
  • Seit 2019: Wiss. Mitarbeit, „Restatement of Restitution Rules“, Prof. Dr. Matthias Weller, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

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Menschenrechtliche Dimension ikonoklastischer Objektzerstörung

Die Bildwissenschaft und das Recht haben von jeher eine enge Beziehung, die sich auf die Frage der Freiheit des bildlichen Ausdrucks und den Schutz von Kulturgütern bezieht. Mit Blick auf das zweite Feld hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Wandel in der Bestimmung und Begründung des zu schützenden Gutes ereignet.

Seit der Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan 2001 und den nachfolgenden systematischen Zerstörungen von Bildwerken durch dschihadistische Angreifer und andere Akteure fundamentalistischer und radikalisierter Bild- und Objektkritik, wird die Frage, wie sich das Rechtssystem zum Artefakt positioniert, besonders virulent. Als Sinnbild des Wandels in der rechtlichen Beurteilung von Kulturgütern kann die dramatische Zerstörung islamischer Heiligtümer in Timbuktu 2012 gesehen werden. In diesem Fall ahndete der Internationale Strafgerichtshof von Den Haag 2016 eine Kulturgutzerstörung erstmals ähnlich scharf wie eine Menschenrechtsverletzung.

Das vorliegende Promotionsvorhaben versucht, diese Tendenz systematisch auszubauen und für eine anthropozentrische Ausrichtung des Kulturgüterschutzes fruchtbar zu machen. Die identitätskonstituierende Funktion von Kulturgütern als hybride Quasi-Objekte im Sinne Bruno Latours ist bislang rechtlich kaum reflektiert, wird aber im Fall ihrer Zerstörung auf schmerzhafte Weise greifbar: Die ikonoklastischen Handlungen richten sich nur vordergründig auf Objekte, zielen aber strategisch auf eine Schwächung oder Zerstörung des sozialen Zusammenhalts und Auslöschung des kollektiven Gedächtnisses einer Gemeinschaft. Der zutiefst anthropozentrischen Dimension von Kulturgütern juristisch Rechnung zu tragen, verlangt ein die Rechtstradition von jeher beherrschendes Paradigma neu auszuloten: Die Trennung zwischen Rechtssubjekt und Rechtsobjekt.