Georg Krajewsky

Kurzvita

  • Seit 2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt (Fachgebiet Stadt- und Raumsoziologie, Prof. Dr. Sybille Frank)
  • 2012–2016 Studium Master of Arts „Soziologe technikwissenschaftlicher Richtung“ mit Schwerpunkt Stadt- und Raumsoziologie, Techniksoziologie und qualitativer Sozialforschung an der Technischen Universität Berlin
  • 2008–2012 Studium Bachelor of Arts „Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung“ mit Nebenfach Technischer Umweltschutz an der Technischen Universität Berlin

Veröffentlichungen

  • 2018 „Smarter Urbanismus und Urbanität“. In: Sybille Bauriedl und Anke Strüver (Hg.). Smart City – Kritische Perspektiven auf die Digitalisierung in Städten. Bielefeld: transcript, S. 63-74 (mit Sybille Frank). DOI: 10.14361/9783839443361-004
  • 2017 „Activating German Colonial Heritage in Berlins Afrikanischen Viertel.“ In: Rachel Lee, Diane Barbé, Anne-Katrin Fenk und Philipp Misselwitz (Hg.). Things don‘t really exist until you give them a name. Unpacking Urban Heritage. Dar es Salaam: Mkuki na Nyota, S. 136-141 (mit Susanne Förster und Jona Schwerer)
  • 2016 „Negotiating German colonial heritage in Berlin’s Afrikanisches Viertel“, in: International Journal of Heritage Studies 22 (7), S. 1-15 (mit Susanne Förster, Sybille Frank & Jona Schwerer). DOI: 10.1080/13527258.2016.1182050

Vorträge

  • 2020 “The Institutional Afterlife of Fallen Colonial Monuments. The Case of the »Askari Reliefs« in Hamburg”, Association of Critical Heritage Studies 5th Biennial Conference, 26.- 30.08.2020, University College London, UK
  • 2019 „Erbe konstruieren. Erbe verhandeln. Eine soziologische Untersuchung des Runden Tisches »Koloniales Erbe« in Hamburg. Instabile Konstruktionen. 3. Jahrestagung des Graduiertenkollegs »Identität und Erbe«, 21.-22.11.2019, Technische Universität Berlin

Kontakt

Technische Universität Darmstadt
Institut für Soziologie
Landwehrstraße 48a (Raum 111)
D-64283 Darmstadt

krajewsky(at)ifs.tu-darmstadt.de

Die Neuordnung (post-)kolonialen Erbes. Eine soziologische Untersuchung des städtischen Aufarbeitungsprozesses »Koloniales Erbe« in Hamburg (Arbeitstitel)

Im Jahr 2014 beschloss der Hamburger Senat als erste Stadt in Deutschland die Erarbeitung eines Erinnerungs- und Dekolonisierungskonzepts zur Aufarbeitung der städtischen Kolonialvergangenheit. Als Hafen- und Hansestadt war Hamburg über Handelsbeziehungen lange Zeit eng mit der kolonialen Expansion Europas verbunden und spielte eine zentrale Rolle in der Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreiches. Über den Stadtraum verteilt finden sich heute zahlreiche Spuren des Kolonialismus (z.B. Denkmäler, Straßennamen und Museumsammlungen), anhand derer in den letzten Jahren kolonialkritische Gruppen und die Organisationen der Schwarzen Communities den (Nicht-)Umgang mit der deutschen Kolonialvergangenheit problematisiert haben. Zugleich gewinnt die Erinnerung des Kolonialismus und seiner Folgen merklich an gesellschaftlicher Relevanz.

Gegenstand der Arbeit ist die im Rahmen des städtischen Aufarbeitungsverfahren stattfindende soziale Aushandlung des (post-)kolonialen Erbes in Hamburg und die mit der (Neu-)Formierung des Erinnerungsmodus verbundenen sozialen Ein- und Ausschlüsse. Im Mittelpunkt der empirischen Untersuchung stehen die sozialen Beziehungen zwischen den unterschiedlichen städtischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die im Rahmen des Runden Tisches »Koloniales Erbe« und des 2019 vom Hamburger Senat berufenen Beirats über die Art und Weise der Vergegenwärtigung der Kolonialvergangenheit verhandeln.

Der theoretische Rahmen greift auf Ansätze der sozialwissenschaftlichen Erinnerungs- und Erbe-Forschung zurück, die Erbe als Medium umstrittener vergangenheitsbezogener Bedeutungsproduktion sozialer Gruppen verstehen. Konflikte um Erbe werden als Resultat ständiger Herausforderung und Absicherung etablierter Deutungshoheiten analysiert. Darüber hinaus weisen Studien der Dekolonisierungsforschung auf die besondere (post-)koloniale Machtasymmetrie in eben diesen Aushandlungsprozessen hin. Mithilfe von Termini aus der soziologischen Partizipationsforschung sollen die Zuweisung von deutungs- und Verfahrenshoheit, zentrale Legitimierungsweisen und veränderte Rollenverständnisse der beteiligten Akteur*innen empirisch untersucht sowie Prozesse sozialer Anerkennung im städtischen Aufarbeitungsverfahren interpretiert werden. Darauf aufbauend kann dann die Frage beantwortet werden, inwiefern es im Kontext der städtischen Aufarbeitung zu einer sozialen Neu-Ordnung des (post-)kolonialen Erbes kommt.