Praktiken des Erbens – Metaphern, Materialisierungen, Machtkonstellationen (4. Jahrestagung)

Identitäten werden durch konkrete Bezugnahmen auf Vergangenheit geformt. Diese Bezugnahme auf Vergangenheit, die von materieller oder auch immaterieller Gestalt sein kann, lässt sich als Praxis des Erbens begreifen. Allerdings wird diese Erbepraxis nicht durch stabile Erbebeziehungen geprägt, sondern stellt einen öffentlichen und konfliktdurchzogenen Aneignungsprozess dar. Mit einer Perspektivierung der ‚Praktiken des Erbens‘ sollen nun eben nicht die konkreten ‚Erinnerungsorte‘ (Pierre Nora), sondern die unterschiedlichsten sozialen und institutionalisierten Praktiken sowie die kulturellen Techniken der Bezugnahme auf Vergangenheit und Konstitution von Identität thematisiert werden.

19.-20. November 2020, Videokonferenz

PROGRAMMHEFT

Programm

19.11.2020

12:00

Praktiken des Erbens – Metaphern, Materialisierungen, Machtkonstellationen (4. Jahrestagung)

Identitäten werden durch konkrete Bezugnahmen auf Vergangenheit geformt. Diese Bezugnahme auf Vergangenheit, die von materieller oder auch immaterieller Gestalt sein kann, lässt sich als Praxis des Erbens begreifen. Allerdings wird diese Erbepraxis nicht durch stabile Erbebeziehungen geprägt, sondern stellt einen öffentlichen und konfliktdurchzogenen Aneignungsprozess dar. Mit einer Perspektivierung der ‚Praktiken des Erbens‘ sollen nun eben nicht die konkreten ‚Erinnerungsorte‘ (Pierre Nora), sondern die unterschiedlichsten sozialen und institutionalisierten Praktiken sowie die kulturellen Techniken der Bezugnahme auf Vergangenheit und Konstitution von Identität thematisiert werden. 19.-20. November 2020, Videokonferenz PROGRAMMHEFT

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Prof. Dr. phil. Gabriele Dolff-Bonekämper

19.11.2020

12:20

Stefan Willer (Berlin): »Übertragungen: Erbe als Metapher, Metapher als Erbe«

Der moderne Begriff des Erbes beruht auf einer Trennung von Zuständigkeitsbereichen. Je nachdem, ob von der juristischen Kodifizierung und Aushandlung privater Erbschaften, von der Formulierung einer biologischen Vererbungstheorie oder von Bemühungen um das kulturelle Erbe die Rede ist, sind unterschiedliche gesellschaftliche Teilsysteme gefragt – einerseits. Andererseits stiften Konzepte des Erbes gerade dort, wo sie als voneinander getrennt und in sich konsistent entworfen werden sollen, immer wieder Übertragungen zwischen jenen Bereichen. Die Frage, wie weit oder eng der Leitbegriff »Erbe« zu fassen sei, gehört integral zur modernen Reflexionsgeschichte der Vererbung. Ausgehend vom Befund, dass jedes Erbe eine Übertragung darstellt, entfaltet sich das seinerseits übertragende, stets von einemDiskursfeld auf das andere verweisende Vermögen des Erbe-Begriffs. Damit eröffnet sich die Frage nach der Metaphorizität des Erbes – und nach der Beziehung zwischen Erbe und Metapher. Mein Vortrag soll diese komplexen Zusammenhänge historisch im […]

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Stefan Willer

19.11.2020

13:00

Giorgia Aquilar (Venedig/Weimar): »Metaphors, Discourses, Becomings«

Consider the crystal. It has a thwarted history as a spatial and material metaphor, symbolizinga plethora of analogous terrains, from the micro to the cosmic. It embodies polar opposites of organic and inorganic, unity and fractures, and myriad conditions in between. In its kaleidoscopic meanings, the crystal is also a metaphor for metaphor. From Greek metapherein, «to transfer», the etymology of the term suggests a passage, a change in state, a transference of meaning. Transposed to the heritage realm, the act of «carrying over» recalls the transmission of a legacy across spatiotemporal dimensions. The metamorphic and transformative potential of heritage metaphors is here intended in terms of a transduction: a movement from one state to the next. Originating from the sciences and appropriated in philosophical terms by Gilbert Simondon, transduction is here re-appropriated as a cultural technique and heritage practice. […]

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Giorgia Aquilar

19.11.2020

13:40

Bernd Euler-Rolle (Wien): »Denkmalpflege als Erbepraxis«

Erben als Aneignungsphänomen scheint auf den ersten Blick weit von den Regularien der Denkmalpflege entfernt zu sein. Allerdings ist seit Alois Riegl ein Denkmal als Wertekonstrukt und Rezeptionsphänomen zu verstehen und aus Riegls Systematik der Denkmalwerte (1903) ergibt sich auch ein Denkgerüst für den Umgang mit den Artefakten, bei dem ebenfalls »intangible values« eingeschlossen sind. Somit ist es zu hinterfragen, ob man mit Gustavo Araoz (2009) das »professional toolkit« der Denkmalpflege in der Erbepraxis für unzureichend halten kann. Erbepraxis stößt schließlich an zwei reale Herausforderungen, nämlich an Materie und an Denkmaleigentümer, die konkrete Handlungsweisen erfordern. Hierzu bedarf es einer konkreten, nämlich denkmalpflegerischen Methodik, die in einer Entscheidungsmatrix besteht. Sie bildet das Beziehungsmuster zwischen den verschiedenen Stakeholdern und ihren verschiedenen Handlungsperspektiven ab und führt durch die Gewichtung, also die Abwägung aller Faktoren zu einer Handlungsrichtung. Die Fortführung, Stärkung oder Veränderung einer […]

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Bernd Euler-Rolle

19.11.2020

14:50

Elizabeth Sikiaridi (Höxter / Amsterdam) »Hybrid Heritage«

How to re-signify heritage and monuments with the help of creative visions and hybrid (combined physical/digital) tools? The lecture presents projects that research and design contemporary interpretations and further development of heritage under a multicultural perspective. Including the integration of media and digital technology in heritage projects, Hybrid Heritage also focuses on cultural hybridity in today’s globalized world: https://hybridspacelab.net/project/hybrid-heritage/ Next to integrating creative methods into the processing of heritage, Hybrid Heritage bolsters innovative ideas on (the future of) heritage in the Digital Age: Digitally supported co-creative processes potentially eliminate boundaries to engagement and visualization, fostering radical re-signification of physical monuments and heritage, enabling the integration of sidelined voices within polyphonic heritage (sites). 􀉝 Humboldt Jungle and Humboldt Volcano projects for the transformation and appropriation of the Berlin Humboldtforum: https://hybridspacelab.net/project/humboldt-volcano/https://hybridspacelab.net/project/humboldt-jungle/ 􀉝 Deep Space, a long-term investigative program dealing with politics of […]

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Elizabeth Sikiaridi

19.11.2020

15:30

Robert Skwirblies (Berlin) »Das eingehegte Exotische. Wie außereuropäische Kulturgüter zu europäischem Kulturerbe wurden«

Ausgehend von Beobachtungen, wie außereuropäische Kunst- und Kulturobjekte in Museen präsentiert werden, beleuchtet der Vortrag die historische Genese dieser Sammlungsbestandteile seit der frühen Neuzeit. Die zum Teil konfliktreichen Erwerbungsumstände – die es ja auch bei vielen europäischen Werken gab – sind dabei nur ein Aspekt. Aneignung, Transformation und Systematisierung der Gegenstände zielten nicht nur auf Assimilierung und Vereinnahmung. Es kam auf den Sammlungshintergrund an, ob Dinge als Beutestücke, Triumphobjekte, Kunstwerke, Lernobjekte, Propagandamittel oder als Ware fungierten. Die historische Analyse erweist sich als Chance, ein differenziertes und tieferreichendes Verständnis dafür zu gewinnen, was an »Eigenem« oder »Fremdem« in das Kulturerbe eingeschrieben wurde und ihm zugeschrieben wird.

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Robert Skwirblies

19.11.2020

16:10

Anna Kutkina (Helsinki): »Inheriting Lenin? Decommunization and Multivocality in post-Euromaidan Ukraine«

The toppling of the statue of Lenin in Kyiv on December 8 2013 was one of the culminating moments of the Euromaidan Revolution. Followed by hundreds of Lenin and other communist monuments being taken down by far-right extremists, politically active minority groups and state-coordinated officials, the potent purge of the communist symbols became known as the «Leninfall.» It laid the foundation for an extensive policy of decommunization, which led to removal of all Lenin statues, renaming of thousands of streets, and raising of questions on definition, modes and objectives of de-Sovietization.What was (post)Euromaidan decommunization? Why? What does uncertainty of physical destiny of the statues, as well as controversial attitudes of the ordinary citizens and the state towards the Soviet insigniatell us about formation, transmission and re-articulation of the historical figures andnarratives? If monuments are both discursively and physically contested spaces, […]

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Anna Kutkina

19.11.2020

17:20

Jörg Springer (Weimar/Berlin): »Verändern, um zu Bewahren: Bauen als Erbepraxis«

Der Beitrag stellt drei »Erinnerungsarchitekturen« vor und zeigt an diesen Beispielen, dass Bauen immer zugleich auch die Konstruktion eines Erbes ist. Umso mehr verwundert, dass dieser Umstand selbst bei Vorhaben, die das Erinnern selbst zum programmatischen Gegenstand haben, auf Seiten der Bauherrschaften heute – anders, als früher – häufig weitgehend unreflektiert bleibt. Dieses Defizit kann allein durch die gestaltende Arbeit des Architekten nur bedingt kompensiert werden. Dennoch und gegebenenfalls sogar unabhängig von den damit verbundenen Absichten wirkt das gebaute Werk als Teil unseres Erbes. Dabei erweisen sich die Bindungen der vermittelten Bedeutungen an die architektonische Form als erstaunlich uneindeutig.

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Jörg Springer

19.11.2020

18:00

Verena von Beckerath (Weimar / Berlin): Filmvorführung »Two Houses (2019)«

The Two Houses research project at the Chair of Design and Housing at the Bauhaus-Universität Weimar focuses on the interaction between the Bauhaus and Japan, based on two houses in the suburbs ofTokyo – Migishi Atelier and Bunzo Yamaguchi House. Both houses were designed in the 1930s and 40s by Japanese architect Iwao Yamawaki, a student at the Bauhaus in Dessau, and Bunzo Yamaguchi, who worked in Walter Gropius’ practice at that time. Both are still privately owned today.The Migishi Atelier features a light and sculptural steel spiral staircase immediately behind a large, ceiling-high, south-facing studio window; it leads to a Tatami room on the gallery level. The Janus-faced architecture of the Bunzo Yamaguchi House combines European and Japanese influences that extend to original and contemporary uses in the garden and the outbuildings as well as to the interior of […]

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Verena von Beckerath

20.11.2020

9:25

Mareike Späth (Hannover): »Wessen Erbe zählt?«

Fast täglich klingelt das Telefon im Büro der Kuratorin. Am anderen Ende der Leitung sprechen Erben, die Nachlässe ihrer verstorbenen Familienmitglieder regeln, oder Personen, die angesichts Ihres fortgeschrittenen Alters diese Aufgabe selbst in die Hand nehmen. Sie erzählen mir Geschichten aus ihren Leben oder dem Leben ihrer Vorfahren, von Reisen in ferne Länder, von Missionstätigkeiten und dergleichen. Sie münden alle in dasselbe Anliegen, mal als Frage und mal als Angebot formuliert: Sind die geerbten oder zu vererbenden Objekte von Relevanz für die ethnologische Sammlung eines staatlichen Museums?Der ICOM Weltverband und der Deutsche Museumsbund definieren die anspruchsvolle, wenn nicht vermessene Aufgabe der Museen, durch ihre Sammlungen das kulturelle Erbe der Menschheit zubewahren und zu vermitteln. Die Entscheidung über die Akquise von Objekten für die Sammlung, die in der Regel einer Sammlungsstrategie folgt und vomvon der zuständigen Kuratorin getroffen wird, legt daher […]

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Mareike Späth

20.11.2020

10:00

Raheem Oluwafunminiyi (Abere, Nigeria): »Inheriting an Artistic Legacy: The Duro Ladipo Museum at the CBCIU (Nigeria) and the Construction of Perpetual Image«

Postcolonial Nigeria witnessed the flowering of theatre groups and stage plays based in particular on the historic Yoruba popular travelling-dance theatre troupe which dates back to pre-colonial times. One of the most prominent pioneers is the late Duro Ladipo (1931 – 1978), who both wrote his plays in the Yoruba language and dramatized them on stage. He founded the Mbari Mbayo Club in Osogbo, southwest Nigeria, in 1962, which became a hub for diverse artistic and creative transactions and from there, launched an acting career that took him on several tours across the world beginning from 1964 in Berlin. Duro Ladipo died in 1978 after a brief illness and is remembered occasionally during his anniversary mainly organised by his family.In February 2020, the Duro Ladipo Family and the Centre for Black Culture and International Understanding (CBCIU), a hub established for […]

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Raheem Oluwafunminiyi

20.11.2020

11:05

Valerija Kuzema (Lüneburg): »Vom Kampf der Richtungen zum Kampf der Rezeptionen. Die Erben der sowjetischen Avantgarde«

Im sog. »Kampf der Richtungen« (ca. 1928-1932) waren letztmalig avantgardistische Konzepte gegen die traditionellen, akademischen Standpunkte um die zukünftige Ausdrucksform der Künste in der Sowjetunion angetreten. Dieser Richtungskampf kann als letzter Moment der vielfältigen Aushandlungen und damit lebhaften »Produktion« des künstlerischen und kulturellen Erbes in der Sowjetunion gesehen werden. Spätestens Mitte der 1930er Jahre setzten sich die Vertreter*innen des Akademismus durch. Der Etablierung der sozialistisch-realistischen Malerei als Staatskunst folgte eine aktive Verdrängung der Avantgarde – sowohl aus der sowjetischen Kunstgeschichtsschreibung als auch aus allen Museen der Union.Begrifflichkeiten und Wertekategorien waren etabliert worden, die sich zur Referenzfolie für die offizielle Kunst der Sowjetunion entwickelten. Nicht zuletzt bildete sich eine einseitige Rezeption heraus, die das kulturelle Erbe klar definierte und die Avantgarde in der Sowjetunion bis in die 1990er Jahre hinein als einen kaum beachtenswerten Kursverlust in der Entwicklung der Künste beschrieb. […]

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Valerija Kuzema

20.11.2020

11:40

Gruia Badescu (Konstanz): »Syncretic place-making: Architects, collective memory and cosmopolitan heritage in Sarajevo and beyond«

This paper examines the relationship between architectural reconfigurations and conflict transformation by examining practices of syncretic place-making, shaped by initiatives and movements from below toinclude different voices in the negotiation and representation of the past. I define as syncretic place-making the process of drawing from multiple traditions in a diverse place to create a contemporary architecture celebrating diversity in memory and identity.It echoes the contemporary anthropological understanding of syncretism by Charles Stewart, referring to mixture and diversity expressed through practices of proximity and convergence. The paper highlights examples from rebuilding Sarajevo after the 1990s wars, while problematizing the possibility of engaging with diversity and multiplicity of voices in architectural post-war reconstruction, as well as general practice. While post-war Bosnia and Herzegovina is usually associated with divisive memory practices and an architecture mobilizing distinctive, competitive identities, this paper highlights a set […]

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Gruia Badescu

20.11.2020

13:30

Ronny Grundig (Potsdam): »Nationale Kultur statt privates Erbe. Nachlässe britischer Landadeliger nach dem Zweiten Weltkrieg.«

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhöhte die neugewählte Labour-Regierung die Steuern auf Nachlässe in Großbritannien drastisch. Die Kriegserfahrung, die eine (zeitweise) Überwindung sozialer Trennlinien mit sich gebracht hatte, hatte dies erst möglich gemacht. Denn bei der Steuerreform ging es nicht um ein höheres Steueraufkommen, sondern vielmehr um die Vergemeinschaftung großer Privatvermögen, die sich seit Jahrhunderten im Besitz der landed gentry, dem britischen Landadel, befanden. Verkörperten diese alten Adelsfamilien lange Zeit die Nation, so sollte aus ihrem Besitz nun ein »nationales Erbe« geschaffen werden, in dem wichtige Artefakte der britischen Kulturgeschichte öffentlich gezeigt bzw. Landsitze und Herrenhäuser der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten, nachdem sie im Zuge der Zahlung der Nachlasssteuer an den Staat übergegangen waren.In meinem Paper werde ich einleitend die neu geschaffenen staatlichen Strukturen skizzieren, die für die Umsetzung geschaffen wurden (Steuerrecht, National Fund, National Trust). Am Beispiel […]

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Ronny Grundig

20.11.2020

14:05

Özge Sezer (Cottbus): »Village as Production: Inheriting the Planned Rural Settlements in Early Republican Elazığ, Turkey«

From the first years of the early republican period of Turkey (1923 –1950), formation of the modern Turkish village had a crucial place in the state’s programmes which lead to series of changes in cultural, social and economic environment in the countryside. While the reconstruction of village economy and materialization of a deep-rooted peasantry evolved into urgent subjects within the development plan, the rural life became conceptualised, analysed and culturally re-structured within the nation-building agenda of the state. This went unavoidably hand in hand with reforms in the rural landscape by construction of the new villages according to state planning strategies. In other words, the village emerged as a synthesis of cultural, national and economic production. At the end, it developed into an architectural production that allows an observation about the «cultural techniques» as significant motives of the governing power. […]

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Özge Sezer

20.11.2020

15:10

Inge Manka (Wien): »Diskurs statt Heilung. Zu den Chancen, die Gestaltung von Erinnerungsorten nicht nur als (Er-) Lösungsinstrument zu sehen.«

Es gibt ein bauliches Erbe, vor dem Institutionen der öffentlichen Hand regelrecht Angst zu haben scheinen.  Braunau 2020: Die Jury des von der Bundesimmobiliengesellschaft geladenen Architekturwettbewerbs entscheidet sich für den Entwurf von Marte.Marte Architekten. Deren Illustration spricht Bände: Ein blondes Mädchen lässt Drachen steigen vor dem nun in den unschuldigen Zustand des 17. Jahrhunderts zurückrenovierten Geburtshaus Hitlers. Laut einem Zeitungsbericht hätten sich die Bewohnerinnen Braunaus allerdings für einen ganz anderen Entwurf ausgesprochen. Auch in den 2018 von Architekturstudierenden der TU Wien am Ort durch- geführten Projekten war nichts zu spüren von der angeblichen Müdigkeit der örtlichen Bevölkerung, sich mit dem Thema zu befassen.  Nürnberg 2020: Am ehemaligen Reichsparteitagsgelände sollen Zeppelin- tribüne und -feld in den nächsten Jahren um mindestens 80 Millionen Euro »trittfest« gemacht werden, und damit ebenfalls in eine weiße »Lösung« münden. Zivilgesellschaftliche Aktivitäten, z.B. von BauLust, […]

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Inge Manka

20.11.2020

15:45

Karolina Hettchen & Monique Jüttner (Cottbus): »Unterdenkmalstellung – eine Praktik des guten Wohnens? Zwei Berliner Siedlungen im Vergleich«

Im europäischen Raum wird der Umgang mit den Großwohnsiedlungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert intensiv und kontrovers in den Fachkreisen von Architekten, Stadtplanern, Denkmalpflegern, aber auch in den Stadtverwaltungen und Wohngesellschaften diskutiert. (Eckardt et al. 2017; Buttlar et al. 2007; Snopek 2014; Koolhaas et al. 2014; Escherich 2012 u.a.) Europaweit gibt es unterschiedliche Ansätze des Umgangs mit den großräumigen Strukturen der Nachkriegsmoderne, die von der Zuschreibung von Denkmalunfähigkeit (Mager 2017) bis zu neuen Unterdenkmalschutzstellungen weit gefächert sind. Im Fokus der meisten Erbe-Bewertungsmethoden stehen vorwiegend historische und architektonisch räumliche Aspekte, während die Menschen, die in den denkmalgeschützten Ensembles leben, kaum berücksichtigt werden. Es muss also das Ziel sein, die üblichen Perspektiven auf das Erbe um die Aspekte des alltäglichen Lebens zu erweitern und sie mit sich im Laufe der Zeit verändernden Narrativen der Bewohner, der Eigentümer oder der Öffentlichkeit zu […]

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Karolina Hettchen

20.11.2020

16:20

Julian Blunk (Berlin): »Walpoles Hand und Füsslis Fuß: Das Gespenst als kultureller Erblasser«

1747 erwarb Horace Walpole ein unscheinbares Landhaus in der Peripherie Londons, das er in den kommenden drei Dekaden vergrößern und im neugotischen Stile umgestalten sollte. In drei voneinander zu scheidenden Bauphasen entstand die private und auf den Namen Strawberry Hill getaufte Residenz, die als Initialwerk nicht nur des Gothic Revival, sondern des Historismus überhaupt gilt und noch heute für ihre regelrecht anarchische Kombinatorik originaler wie kopierter Versatzstücke gotischer Architekturdenkmäler und Bildwerke berühmt ist.Mitten in die laufenden Umbauarbeiten hinein erschien 1764 Walpoles zunächst unter Pseudonym veröffentlichter und als vermeintlich historisches Dokument ausgegebener Schauerroman The Castle of Otranto, der seinerseits als Gründungsschrift der Gothic Novel Epoche machte. Wenngleich die enge Verwandtschaft, wenn nicht gar die Identität von Strawberry Hill und seinem literarischen Pendant, dem Schloss von Otranto immer wieder und insbesondere von Norbert Miller (1986) gesehen worden ist, ist der Forschung doch […]

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Julian Blunk