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Georg Krajewsky

Georg Krajewsky

Kurzvita

  • Seit 2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt (Fachgebiet Stadt- und Raumsoziologie, Prof. Dr. Sybille Frank)
  • 2012–2016 Studium Master of Arts „Soziologe technikwissenschaftlicher Richtung“ mit Schwerpunkt Stadt- und Raumsoziologie, Techniksoziologie und qualitativer Sozialforschung an der Technischen Universität Berlin
  • 2008–2012 Studium Bachelor of Arts „Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung“ mit Nebenfach Technischer Umweltschutz an der Technischen Universität Berlin

Veröffentlichungen

  • 2016 „Negotiating German colonial heritage in Berlin’s Afrikanisches Viertel“, in: International Journal of Heritage Studies 22 (7), S. 1-15 (mit Susanne Förster, Sybille Frank & Jona Schwerer). DOI: 10.1080/13527258.2016.1182050
  • 2014 „Tagungsbericht: Urban Heritage, 24.01.2014 Berlin“. In: H-Soz-Kult, 10.04.2014, Online verfügbar unter: www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5302

 


Kontakt

Technische Universität Darmstadt
Institut für Soziologie
Landwehrstraße 48a (Raum 111)
D-64283 Darmstadt

krajewsky(at)ifs.tu-darmstadt.de

(Post-)Koloniale Erinnerungsräume. Die soziale Aushandlung kolonialen Erbes in Hamburg (Arbeitstitel)

Gegenstand der Arbeit ist der umstrittene Prozess der Aushandlung von Kolonialvergangenheit in deutschen Städten. In den letzten Jahren problematisierten zahlreiche kolonialkritische Initiativen den (Nicht-)Umgang mit verschiedenen Hinterlassenschaften der Kolonialzeit. Die dabei entstandenen Debatten sind geprägt durch gegensätzliche Interpretationen der Kolonialzeit, verschiedene Relevanzzuschreibungen und unterschiedliche Grade von Handlungsmacht. Im Fokus der Untersuchung steht die Konstruktion eines kolonialen Erbes und die damit verbundenen sozialen Ein- und Ausschlussmechanismen. Die Arbeit fragt danach, wie der Prozess der sozialen Aushandlung von Kolonialvergangenheit in deutschen Städten verläuft.

Die Aushandlung der Kolonialvergangenheit soll anhand des „Konzepts zur Aufarbeitung kolonialen Erbes“ der Stadt Hamburg untersucht werden. Die Hafenstadt Hamburg war über ihre Handelsbeziehungen lange Zeit eng mit der kolonialen Expansion Europas verbunden und spielte eine zentrale Rolle in der Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreiches. Das koloniale Erbe Hamburgs umfasst zum einen zahlreiche Erinnerungen an den kolonial geprägten Seehandel, dem die Stadt ihren Aufschwung und Wohlstand verdankt und der sich in Hinterlassenschaften wie der Speicherstadt, ehemaligen Kontorhäusern sowie Handels- und Schifffahrtsmuseen zeigt. Zum anderen beinhaltet das koloniale Erbe Hamburgs Erinnerungen an die direkte Kolonialherrschaft des deutschen Kaiserreiches (1884-1918) in verschiedenen Teilen der Welt. Dazu zählen unter anderem die sogenannten Askari-Reliefs nahe der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne, verschiedene Straßennamen und Denkmäler sowie Erinnerungen an eine kolonialistische Alltagskultur z.B. in Form von Völkerschauen im Hagenbeck-Zoo. Die verschiedenen Hinterlassenschaften bilden zusammen einen stadtweiten, (post-)kolonialen Erinnerungsraum.

Im Jahr 2014 beschloss der Hamburger Senat als erste Stadt in der Bundesrepublik die Ausarbeitung eines stadt- bzw. landesweiten Erinnerungskonzepts. Der Beschluss verdeutliche „(…) welchen Stellenwert der aktiven Aufarbeitung (…) von Seiten der Bürgerschaft beigemessen wird (…)“, und das sich „(…) die Stadt insgesamt dieser Verantwortung stellt.“, heißt es in einer Stellungnahme der Hansestadt. Die Ausarbeitung des Erinnerungskonzepts steht im Kontext einer allmählichen, umstrittenen Problematisierung der Kolonialvergangenheit durch kolonialkritische Gruppen in Hamburg und anderen deutschen Städten (z.B. in Berlins Afrikanischen Viertel).

Die Arbeit verfolgt einen soziologischen Ansatz, in dem Erbe als ein Medium umstrittener, vergangenheitsbezogener Bedeutungsproduktion verstanden wird. Der Fokus liegt auf dem Prozess der sozialen Aushandlung und Erbe-Konstruktion und den damit verbundenen sozialen Ein- und Ausschlüssen. Dieser soll anhand dreier Dimensionen untersucht werden: Erstens anhand der beteiligten Akteure deren Sprecherpositionen und Grade der Handlungsmacht (Wer ist in welcher Weise an dem Aushandlungsprozess beteiligt?). Zweitens anhand der Grammatik der Erbe-Konstruktion (Wie wird über Kolonialvergangenheit gesprochen?). Und drittens anhand der Praktiken (Wie wird mit kolonialen Hinterlassenschaften im städtischen Raum umgegangen?).

Die empirische Untersuchung soll mit Hilfe von Interviews mit zentralen Akteuren der Aushandlung des Erinnerungskonzepts und dessen Vorgeschichte durchgeführt werden. Zusätzlich soll mit Hilfe einer umfassenden Dokumentenanalyse die Entwicklung des Narratives über den Umgang mit der Kolonialvergangenheit Hamburgs rekonstruiert werden. Da das koloniale Erbe Hamburgs nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen verhandelt wird, beschränkt sich der Gegenstand der Arbeit zwar auf die Stadt Hamburg, die empirische Untersuchung öffnet sich jedoch für relevante globale Verflechtungen in der Konstruktion kolonialen Erbes.