Simone Bogner

Kurzvita

  • geb. 1982
  • 2016–2021 wissenschaftliche Koordinatorin und Geschäftsführerin des GRK 2227
  • 2012–2016 / wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte, Bauhaus-Universität Weimar, 2014–2016 BMBF-Forschungsprojekt “Welche Denkmale welcher Moderne?”
  • 2012 / Projektmanagerin für den deutschen Beitrag Reduce/Reuse/Recycle zur 13. Architekturbiennale in Venedig 2012
  • 2009–2011 / Masterstudium Denkmalpflege an der Technischen Universität Berlin
  • 2003–2009 / Magisterstudium der Kunstgeschichte, Neueren Deutschen Literatur und Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und Universität Wien

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Herausgeberin der Schriftenreihe des Graduiertenkollegs 2227 “Identität und Erbe”, zusammen mit Gabi Dolff-Bonekämper und Hans-Rudolf Meier. https://e-pub.uni-weimar.de/opus4/frontdoor/index/index/docId/4321
  • „…den Ausbau und zugleich die Zusammenfassung der Nietzsche-Bewegung von Weimar aus und in Weimar.“ Die Nietzsche-Gedächtnishalle von Paul Schultze-Naumburg. In:Kulturreformer. Rassenideologe. Hochschuldirektor: Der lange Schatten des Paul Schultze-Naumburg, hrsg. von Hans-RudolfMeier und Daniela Spiegel, Heidelberg: arthistoricum.net, 2018. DOI: 10.11588/arthistoricum.352.486.
  • Denkmal–Erbe–Heritage. Begriffshorizonte am Beispiel der Industriekultur, als Herausgeberin, gemeinsam mit Birgit Franz, Hans-Rudolf Meier und Marion Steiner, Verlag Georg Mitzkat, Hildesheim 2018.
  • Denkmale der unmittelbaren Vergangenheit – zur Erfassung und Bewertung von baulichem Erbe der 1960er bis 1980er in der DDR. In: Welche Denkmale welcher Moderne? Zum Umgang mit Bauten der 1960er und 70er Jahre, hrsg. von Frank Eckardt/Hans-Rudolf Meier/Ingrid Scheurmann/Wolfgang Sonne, Jovis Verlag, Berlin 2017, S. 168-187.
  • „But How Can You Do Without History?“ – Anmerkungen zur Aneignung von Geschichte in den Debatten der Congrès Internationaux d’Architecture Moderne der Nachkriegszeit. In: BetonSalon – Neue Positionen zur Architektur der späten Moderne, hrsg. von Tino Mager und Bianka Trötschel-Daniels, neofelis-Verlag, Berlin 2017, S. 25–40.
  • Im Kontext, Festgabe für Hans-Rudolf Meier (=Schriftenreihe der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte Bauhaus-Universität Weimar), Redaktion gemeinsam mit Daniela Spiegel, hrsg. von von Kirsten Angermann,  Simone Bogner, Eva von Engelberg-Dockal, Iris Engelmann, Katja Hasche, Torben Kiepke, Daniela Spiegel, Kerstin Vogel, Johannes Warda, Weimar Universitätsverlag, Weimar 2016.
  • Alternative Geschichtslandschaften. Denkmalpflege und Erinnerungspolitik in der DDR. Eine Spurensuche in Berlin. In: Alles Heritage? Festgabe für Hans-Rudolf Meier (=Schriftenreihe der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte Bauhaus-Universität Weimar), hrsg. von Kirsten Angermann,  Simone Bogner, Eva von Engelberg-Dockal, Iris Engelmann, Katja Hasche, Torben Kiepke, Daniela Spiegel, Kerstin Vogel, Johannes Warda, Weimar 2016, S. 16–30.
  • Memorial Hall interview Adam Knight with Simone Bogner. In ‘Why Would I Lie?, hrgs. von Peter Le Couteur and Susannah Haslam, London 2015, S. 91-97.
  • BauNetzWoche #280 “Das Internationale Congress Centrum (ICC) Berlin”, 2012.

Vorträge und Konferenzbeiträge (Auswahl)

  • Authority or Think Tank? The Role of the Architects’ Department in the London City Council Between War Damage Mapping, Reconstruction Planning, and Nation Building, 1939–1951. Konferenz “Narrating a New World. Maps, Myths, and Legends in Early Postwar Europe”, Polnische Akademie der Wissenschaften, Berlin, organisiert von Carmen Enss, Jurek Elzanowski und Malgorszata Popiolek, 23.-24.10.2019
  • Weiterbauen im Modernismus – oder wie kommt die Gegenwart in die Geschichte? Konferenz „Vom Wert des Weiterbauens“ im Dieselkraftwerk Cottbus, Querschnittskolloquium des GRK 1913 BTU Cottbus vom 27.–29. Juni 2018, (wegen Krankheit abgesagt).
  • Ecologies of Loss – Re-Constructing the ‘Monuments of the History of the German Democratic Republic’. Workshop Wastelands. “From horror vacui to spaces of re-enchantment”: art, ecology, and urban wastelands, May 18th to Saturday 19th 2018, organized by Professor Stephen Barber, Kingston University, Professor Matthew Gandy, Dr Sandra Jasper, University of Cambridge, Professor Susanne Hauser, University of the Arts Berlin.
  • Discourses of Destruction. Narratives of postwar modernist urban planning. The Example of CIAM.Workshop “Preserving the Modern – New Perspectives on Postwar Modernist Architecture”, June 26th and 27th 2017, organized by URBANgrad, Faculty of Architecture, TU Darmstadt.
  • Ort und Ortsbezug als Thema auf den Nachkriegskongressen der CIAM. Internationale Konferenz „Place and Site-Response in Architecture. History and Theory of Contextual Architecture since the Renaissance”, Fachhochschule München, 20.–22. November 2014.

Ausstellungen (Auswahl)


Kontakt

simone.bogner[at]tu-berlin.de

„But How Can You Do Without History?“ Vergangenheitsbezüge im urbanistischen Diskurs der CIAM (1943–59)

Spätestens gegen Ende der 1960er polemisierten Kritikerinnen gegen die Bezugnahme moderner Architekt*innen auf Geschichte oder negierten diese gänzlich. Sie forderten ein neues Verhältnis von Architektur und bestehender Stadt und proklamierten, selbst die Fäden wiederaufzunehmen, welche die Vertreter der „heroischen“ Moderne hatten fallen lassen. Das damit einhergehende Postulat von der „Rückkehr zur Geschichte“ hat, parallel zu den großflächigen Abrissen zugunsten von Modernisierung, dazu geführt, dass „die Moderne“ generell als geschichtsfeindliche Bewegung, sowohl im Architekturdiskurs als auch in der öffentlichen Meinung, festgeschrieben wurde. Demgegenüber steht die Beobachtung, dass gerade der Rückgriff auf das Bestehende, auf Vergangenheit und „Geschichte“, in den Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) der Nachkriegszeit eine besondere Rolle spielte. Im Zentrum des Promotionsvorhabens steht daher die Frage, warum und auf welche Weise sich Vertreter*innen der Moderne auf Geschichte und Vergangenheit beziehen – und zwar in der besonderen Situation nach dem 2. Weltkrieg, angesichts von Emigration, zerstörter Städte, dem Entstehen post-kolonialer Staaten sowie der Sehnsucht nach neuen Stadtzentren. Besonders nach dem 2. Weltkrieg beschäftigten sich CIAM-Mitglieder intensiv mit Traditionskonzepten, mit der historischen Analyse von Städten, mit Architekturgeschichte sowie deren Fortschreibung und Einbindung in die Ausbildung von Architekt*innen und Planer*innen. Entlang dreier Fallbeispiele, die auf dem 8. CIAM in Hoddesdon 1951, dem 9. CIAM in Aix-en-Provence 1953 und dem letzten Treffen 1959 in Otterlo vorgestellt wurden, werden die bis dato diffus bleibenden Geschichtsbezüge in der architekturbasierten Stadtplanung der Nachkriegszeit, wie sie innerhalb des institutionellen Rahmens der CIAM verstanden wurde, herausgearbeitet. Die kontrovers diskutierten Modi und Möglichkeiten des Vergangenheitsbezugs im Entwerfen erschließen sich aus der Suche nach dem idealen öffentlichen Raum der Gemeinschaft, der beginnenden Auseinandersetzung mit der Idee lokaler Identitätsstiftung sowie den dahinterliegenden Fragen von Moral und moderner Architektur. Ziel ist es, ein historisch-kritisches Verständnis modernistischer Vergangenheitsbezüge herauszuarbeiten, um dem im historiographischen Diskurs immer noch vorherrschenden Topos, dass die architektonische Moderne eine anti-historische Bewegung war, eine kritische Perspektive hinzuzufügen.

English

“BUT HOW CAN YOU DO WITHOUT HISTORY?“ References to the Past in the Urbanist Discourse of CIAM (1943-59)

By the end of the 1960s at the latest, critics polemicized against the way modern architects were referencing history or negated it altogether. They demanded a new relationship between architecture and the existing city and proclaimed that they themselves should pick up the threads that the representatives of “heroic” modernism had dropped. Their accompanying postulate of a “return to history” paralleled the large-scale demolitions in favor of modernization and thus led to “modernism” generally being evaluated as a movement hostile to history, both in architectural discourse and in public opinion. In contrast to this is the observation that it was precisely the recourse to the existing, to the past and “history,” that played a significant role in the Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) of the postwar period. The Ph.D. project, therefore, focuses on the question of why and in what way modernist architects and urbanists refer to history and the past – and this in the particular situation after World War II, in view of emigration, destroyed cities, the emergence of post-colonial states, and the longing for new urban centers. Especially after World War II, CIAM members intensively dealt with concepts of tradition, with the historical analysis of cities, with architectural history as well as its continuation and integration into the education of architects and planners. Three case studies, presented at the 8th CIAM in Hoddesdon in 1951, the 9th CIAM in Aix-en-Provence in 1953, and the last meeting in Otterlo in 1959, are used to highlight the hitherto diffuse references to history in post-war architecture-based urban planning as understood within the institutional framework of CIAM. The controversial modes and possibilities of referring to the past in design emerge from the search for the ideal public space of a community, the incipient exploration of the idea of local identity formation, and the underlying questions of morality and modern architecture. The aim is to elaborate a historical-critical understanding of modernist references to the past in order to add a differentiated perspective to the topos still prevalent in historiographical discourse that architectural modernism was an anti-historical movement.