Henri Hoor

Kurzvita

  • Seit 2024 am Städtischen Museum Göttingen: kuratorische Tätigkeiten, Öffentlichkeitsarbeit 
  • 2020–2024 Dissertation an der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte, Bauhaus-Universität Weimar, Promotionsstipendium der Gerda Henkel Stiftung 
  • 2019 Masterabschluss an der Eberhard Karls Universität Tübingen im Studiengang Archäologie des Mittelalters – Profillinie Museum & Sammlungen
  • 2017–2018 Mitarbeiter beim SFB 1070 „RessourcenKulturen“ und an der Professur Archäologie des Mittelalters
  • 2014–2016 Tätigkeit am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und Archäologischen Museum Hamburg
  • 2012–2016 Studium der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie und der Kunstgeschichte an den Universitäten Hamburg und Wien
  • 2012– heute: Konzeption und Mitarbeit an kulturhistorischen Ausstellungen

Kontakt

h.hoor[at]goettingen.de 

ERGRABENE ZENTREN.
RÄUMLICHE INSZENIERUNGEN ARCHÄOLOGISCHER DENKMALE IN STÄDTEBAULICHEN PROJEKTEN IN BERLIN UND FRANKFURT AM MAIN

Die Arbeit untersucht großräumige archäologische Denkmale, die innerhalb moderner Stadtzentren konserviert und zugänglich gemacht wurden. Diese Entwicklung wird anhand von Fallbeispielen in den Metropolen Frankfurt am Main und Berlin veranschaulicht. Trotz des Aufstiegs der Stadtarchäologie seit den 1980er Jahren ist das Nachdenken über den Umgang mit archäologischen Denkmalen in Städten außerhalb des mediterranen Kulturkreises ein vergleichsweises junges Phänomen, zu dem bislang kaum größere wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen. In den bisherigen internationalen Tagungen zu dem Thema wurden lediglich lokale Unterschutzstellungen vorgestellt, ohne dass es zu einer größeren Synthese und fundierten Theoriebildung kam. Der städtebauliche Ansatz, nicht nur ausschnitthaft, sondern auch großräumig substanziell ergrabene Strukturen im Stadtraum zu belassen und in die neue Architektur zu integrieren, zeugt von einem Paradigmenwechsel in der denkmalpflegerischen und planerischen Herangehensweise.
Der Blick auf die beiden Städte Berlin und Frankfurt am Main offenbart hierbei aufschlussreiche Perspektiven, was die Geschichtspolitik und  -vermittlung in modern überprägten Innenstädten anbelangt.

Anhand einer Analyse der Diskursgeschichte und publizierten Argumentationsstrategien der ausführenden Akteure wird der jeweilige Weg der Denkmalwerdung nachgezeichnet: Das Vorwissen um diese, die Freilegung und Konservierung, bis hin zur Herrichtung und Inwertsetzung der archäologischen Befunde. Für eine ganzheitliche Analyse werden die archäologischen Denkmale und die sie umgebenden städtebaulichen Strukturen gemeinsam betrachtet. Mit dem interdisziplinären Ansatz dieser Arbeit soll ein Beitrag geleistet werden, die klassische Dichotomie von Bau- und Bodendenkmalen in Städten zu überwinden, die einer urbanistischen und gesamtdenkmalpflegerischen Betrachtung auf stadtarchäologische Phänomene, abseits einer reinen Befundauswertung, oft im Wege stand.


Veröffentlichungen (Auswahl)

Löffelhalter oder Chanukka-Leuchter? – Über Missverständnisse im Museum. Online-Artikel in: kulturis. Kulturportal für Südniedersachsen (5.5.2025).

Mittelalter gesucht. Eine Synagoge, Mikwe und andere „sprechende Steine“ für Berlins neue alte Mitte. In: M. Gegidze/ A. Dinccag Kahveci/ P. Santacana (Hrsg.), Dinge, die verbinden. Schriftenreihe des Graduiertenkollegs „Identität und Erbe“ (Weimar 2024) 150–159.

Zur Architektur und Ausstattung der karolingischen Dombauten in Bremen. Bremer Archäologische Blätter N.F. 8, 2022, 111–126.

Gebrochener Glanz. Die mittelalterlichen Fenster des St. Petri-Domes. Dom-Nachrichten 1, 2021, 24–25.

Von der Spolie zum Gedächtnisort. Archäologische Befundinszenierungen in Frankfurt am Main. Informationen zur Archäologie des Mittelalters, 19, 2020, 21–23.

Chthonische Spielarten. Zur Polarität von Natur- und Kulturobjekten. In: T. Kohlmann (Hrsg.), Artefakt & Phantasma (Frankfurt am Main 2019) 96–108.

Bemalte Wandputzfragmente aus Bremens erstem Steindom. Motive, Rekonstruktion und Kontext im karolingischen Sachsen. Bremisches Jahrbuch 97, 2018, 22–38.

Älteste Wandmalerei Norddeutschlands. Archäologie in Deutschland 2, 2018, 72.

Flügel und Schreinskulptur eines Wurzel-Jesse-Retabels. In: J. F. Richter (Hrsg.), Lübeck um 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum (Petersberg 2015) 238–241.

Sechs Reliefstücke in Wangenform. In: J. F. Richter (Hrsg.), Lübeck um 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum (Petersberg 2015) 294 f.

Kreuzigung Christi, genannt „Der Kalvarienberg des Tile Nigel“. In: J. F. Richter (Hrsg.), Lübeck um 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum (Petersberg 2015) 316 f.