Beverly Engelbrecht

Kurzvita

  • seit 2023 Assoziierte Kollegiatin, DFG-Graduiertenkolleg 2227 „Identität und Erbe“, Bauhaus-Universität Weimar
  • seit 2023 Stipendiatin, Thüringer Graduiertenförderung, Bauhaus-Universität Weimar
  • 2022–2023 Stipendiatin, Bauhaus-Startstipendium, Bauhaus-Universität Weimar
  • 2021–2023 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Professur Entwerfen und Wohnungsbau, Bauhaus-Universität Weimar
  • 2017–2021 Masterstudium Architektur, Bauhaus-Universität Weimar
  • 2017–2018 Praktikum, Miller & Maranta Architekten, Basel
  • 2013–2017, 2020–2021 Engagement im interdisziplinären und kollaborativen Arbeitsraumkollektiv „Studio Wägetechnik e.V.“, Weimar
  • 2013–2017 Bachelorstudium Architektur, Bauhaus-Universität Weimar
  • 2012–2013 Vorstudium, Leipzig School of Design, Leipzig

Kontakt

beverly.engelbrecht[at]uni-weimar.de

Gegenarchitekturen der Sexarbeit. Das Beispiel der Potsdamer Straße in West-Berlin (1961-1990) (Arbeitstitel)

In einem wegweisenden Radio-Vortrag prägte Michel Foucault 1966 den Begriff der Heterotopie als Gegenort inmitten gesellschaftlich legitimierter Orte (vgl. ebd. 2021: 9ff.). Dieser andere Raum würde wie ein Spiegel die normalen (normalisierten) Räume gleichzeitig repräsentieren, reflektieren und widerlegen (vgl. ebd. 2021: 9ff.). Zu den Heterotopien fasste der Philosoph neben etwa Friedhöfen, Parkanlagen und Gefängnissen auch Bordelle. Ausgehend von dieser konzeptuellen Verhältnissetzung untersuche ich am Beispiel der Potsdamer Straße in West-Berlin im Zeitraum von 1961 (Abriegelung der Sektorengrenze und Errichtung der Berliner Mauer) bis 1990 (Wiedervereinigung Deutschlands), wie sich Gegenarchitekturen der Sexarbeit räumlich manifestieren und welche Wechselwirkungen zwischen ihnen und dem sozialen, politischen und legislativen Raum, in welchem sie konstruiert werden, festgehalten werden können. Ich erweitere dazu die Einordnung Foucaults und untersuche Arbeitsorte von Sexarbeitenden, bei denen im Sinne von Anarchitekturen, (häufig prekäre) Räume verschiedener Maßstäbe zugewiesen, temporär angeeignet oder besetzt werden. Mich interessiert dabei die Frage, ob man solche Gegenarchitekturen der Sexarbeit als Modell für eine zeitgenössische Raumproduktion begreifen kann, in der sich Dynamiken sozio-politischer Ausgrenzung und Unsichtbarmachung mit Praktiken informeller sowie fluider Aneignung und Besetzung überlagern.

Das Promotionsvorhaben behandelt Sexarbeit als marginalisiert, lange Zeit kriminalisiert und bis heute moralisiert. In der Folge wurden und werden Sexarbeitende in urbanen Räumen oftmals nur (temporär) geduldet und Gewalt sowie Ausbeutung ausgesetzt. Mit diesen Dynamiken sind gesellschaftliche Haltungen zu Gender, Klasse, sexueller Orientierung und ethnischer Herkunft verwoben, die ich aus einer kritischen sowie intersektional-feministischen Position betrachte.
Bei dem Projekt handelt es sich um eine deduktiv-induktive Forschungsarbeit (theoretisch-empirisch) aus der Perspektive der Architektur, die auch interdisziplinär Positionen (u. a. Soziologie, Philosophie, Kunst) nutzt. Um verschiedene Perspektiven auf den Forschungsgegenstand zu ermöglichen, wähle ich eine Methodenkombination unterschiedlicher qualitativer Daten (Analysen von Literatur und Archivdokumenten sowie Interviews), die in einem synthesebildenden Verfahren ausgewertet werden. Genauer lässt sich das Vorgehen dem interpretativen Interaktionismus zuordnen (vgl. Winter 2011: o.S.). So situiere ich die Subjekte (Sexarbeitende) historisch und sozial, indem ich die Bedingungen untersuche, die dazu führten, dass diese spezifische Erfahrungen machten. Im Zentrum meiner Untersuchungen stehen neben den persönlichen Erzählungen der Sexarbeitenden sowie weiterer Akteur*innen, die Raumansprüche hegten, Plan- und Kartenmaterial als räumliche Überlieferungen. Diese Erzählungen und Dokumente kontextualisiere ich, indem ich andere geschriebene Texte und Diskurse ins Verhältnis dazu setze (vgl. Winter 2011: o.S.).
Die Forschungsergebnisse sollen in textbasierter sowie künstlerisch-gestaltender Form (Zeichnungen und weitere visuelle Repräsentationen der Räume) festgehalten werden. Durch die künstlerische Untersuchung der Gegenarchitekturen der Sexarbeit sollen Rückschlüsse auf spezifische (prekäre) Formen der Raumproduktion erreicht werden, die eine rein textbasierte Arbeit nicht ermöglicht. Auch betrachte ich zu produzierendes Planmaterial als Grundlage für eine zukünftige gerechte und inklusive Stadtentwicklung und -planung. 

Foucault, M. (2021): Die Heterotopien. Der utopische Körper. Zwei Radiovorträge. Zweisprachige Ausgabe. Frankfurt a.M., Deutschland: Suhrkamp Verlag. 5. Auflage. 

Winter, R. (2011): Ein Plädoyer für kritische Perspektiven in der qualitativen Forschung. Forum Qualitative Sozialforschung, 12(1).

Aufsätze

Engelbrecht, B. (2025): «Eine geteilte Wohnung. Raumproduktionen von Sexarbeitenden unweit der Potsdamer Straße in West-Berlin um 1980». In: Knosp, T. / Moser, T. / Nuler, J. / Stackmann, S.: Unvoiced Heritage – Queer Feminist Care for Tabooed Spaces in the Existing Urban Fabric, Wien, Österreich: TU Wien Academic Press.

Engelbrecht, B. (2025): «Counter Architectures of Sex Work. Collective Care Networks of Prostitutes and their spatial Productions along Potsdamer Straße in West Berlin in the 1980s». In: Baxi, K. / Glogar, I. / Heindl, G. / Krejs, B. / Schneider, T. (Hg.): Changing Spatial Practices. Alliances, Activism and Networks. Dimensions. Journal of Architectural Knowledge, 09, Bielefeld, Deutschland: transcript. 

Engelbrecht, B. (2025): «Der Widerstand der Sexarbeiter:innen entlang der Potsdamer Straße in West-Berlin». In: trans magazin, No. 47: Soft, Zürich, Schweiz: gta Verlag.

Engelbrecht, B. (2025): «Hotel Potsdam. Mapping sex work in West Berlin». In: L‘atelier Magazine No. 23: Pleasure. Lausanne, Schweiz: EPFL Press.

Engelbrecht, B. (2025): «Sexarbeiterinnen und die Anfänge der Hurenbewegung ‚Hydra‘. Widerständige Raumproduktionen am Beispiel der Instand(be)setzung eines Gebäudes in der Potsdamer Straße West-Berlins». In: AG Denkmalschutzjahr 2025 des ICOMOS Suisse und dem Lehrstuhl für Konstruktionserbe und Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.): A future for whose past? Das Erbe von Minderheiten, Randgruppen und Menschen ohne Lobby. Zürich, Schweiz: Hier und Jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte GmbH.