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Bianka Trötschel-Daniels

Bianka Trötschel-Daniels

Kurzvita

  • geb. 1987  in Eisenach
  • 2003 / Realschulabschluss
  • 2003 / Stipendiatin des Deutschen Bundestages im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogrammes
  • 2006 / Abitur
  • 2006–2011 / Studium der Rechtswissenschaften, Universität Osnabrück; Abschluss des Studiums mit der ersten juristischen Prüfung
  • 2007–2011 / Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung
  • 2012–2014 / Fachmasterstudium der Geschichte, Universität Osnabrück
  • 01.2012–09.2015 / wiss. Mitarbeiterin bei Professorin Dr. Pascale Cancik, Universität Osnabrück
  • 05.2015–01.2017 / wiss. Mitarbeiterin, TU Dortmund, Forschungsprojekt „Welche Denkmale welcher Moderne?“ bei Professor Dr. Wolfgang Sonne, Projektleiterin im Teilprojekt B.1. Ingrid Scheurmann
  • 2015 / Lehrbeauftragte an der Hochschule Osnabrück

Veröffentlichungen

  • Rationelle Visionen – Raumproduktion in der DDR, hrsg. gemeinsam mit Tino Mager, Weimar 2019, i.E.
  • Die Qual der (Aus-)Wahl. Zu den Auswahlkriterien in Archiv, Museum und in der Archäologie, in: Frank Eckardt/Hans-Rudolf Meier/Ingrid Scheurmann/Wolfgang Sonne (Hrsg.): Welche Denkmale welcher Moderne? Zum Umgang mit Bauten der 1960er und 70er Jahre, Berlin 2017, S. 102-113.
  • BetonSalon – Neue Positionen zur Architektur der späten Moderne, hrsg. gemeinsam mit Tino Mager, Berlin 2017.
  • Kann denn Beton Denkmal sein? – Zum Denkmalbegriff in der DDR, in: BetonSalon – Neue Positionen zur Architektur der späten Moderne, hrsg. gemeinsam mit Tino Mager, Berlin 2017, S. 127–138.
  • Die Sozialistische Reichspartei (SRP) und die Wahl zum Zweiten Niedersächsischen Landtag (1951–1952), in: Dopke, Lisa et. al. (Hrsg.): Deutsche Kontinuitäten, Hannover 2016, S. 127–154.

Vorträge und Konferenzbeiträge

  • 2016, Nov: The Heritage Council of the GDR, (Der Nationale Rat zur Pflege und Verbreitung des deutschen Kulturerbes in der DDR), Conference: Heritage Studies and Socialism: Transnational Perspectives on Heritage in Eastern and Central Europe, Gießen, Herder Institut for Historical Research on East Central Europe and international Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC).
  • 2018, Sep: The European Dimension of Monuments Preservation in the GDR (Die Europäische Dimension der Denkmalpflege in der DDR), Conference: La RDA dans l’espace public européen 1949–2018, Die DDR in der europäischen Öffentlichkeit 1949–2018, Strasbourg, Universität Strasbourg.

Kontakt

Bauhaus-Universität Weimar
Fakultät Architektur und Urbanistik
DFG-Graduiertenkolleg 2227 „Identität und Erbe“
D-99421 Weimar

Sitz: Amalienstr. 13
D-99421 Weimar

bianka.troetschel-daniels[at]uni-weimar.de

Das Denkmalpflegegesetz der DDR von 1975 – Entstehung und Besonderheiten im internationalen Kontext.

Die Rechtsgeschichte der DDR, insbesondere die Verwaltungsrechtsgeschichte, ist noch wenig erforscht. Meine Arbeit soll am Beispiel des Denkmalschutzrechts als einem vielschichtigen Teil aktiver Erbepflege in der DDR einen Beitrag zur Aufarbeitung des Rechts in der DDR leisten. Im Zentrum der Dissertation steht die Erarbeitung des Denkmalpflegegesetzes der DDR, das 1975 verabschiedet wurde. Der Gesetzgebungsprozess in der DDR findet in einer für das kulturelle Erbe in ganz Europa ereignisreichen Zeit statt. Die Einbindung des Entstehungsprozesses des Gesetzes in einen mindestens europäischen Kontext wird untersucht. Eine zentrale These der Arbeit ist, dass der Denkmalschutz als Vehikel für die internationale Anerkennung und damit für die Identitätsbildung der DDR als Staat genutzt wurde. Darüber hinaus wurde über den Regelungsgegenstand „Erbe“ versucht, Denkmale für die Bürger identitätsstiftend, in der Rhetorik der DDR: „bewusstseinsbildend“, einzusetzen. Die Wahrnehmungsschwelle ist bei Bewahrung und Pflege des architektonischen, bau-kulturellen Erbes niedrig. Architektur formt das „materielle Rückgrat der Gesellschaft und bildet einen essentiellen Identifikationsfaktor“. [ 1 ] Die Praxis der Pflege und Erhaltung von baukulturellem Erbe in der DDR, kurzum: Denkmalpflege, gibt deshalb eindrücklich Auskunft über die Erbepolitik und die Aneignungsmechanismen zum kulturellen Erbe im Laufe der Jahrzehnte.

Recht bietet der Gesellschaft Orientierung. Es regelt das „äußere Zusammenleben der Menschen“ und zwar nicht lediglich als unverbindliches Angebot, sondern mit einem „normativen Anspruch, der auf Befolgung“ zielt. [ 2 ] Es kann als historische Quelle vielfältig befragt werden: Woher stammte die Inspiration für die Texte, wer war an ihrer Formulierung beteiligt, gab es verwandte Texte im Ausland oder Alleinstellungsmerkmale, spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen in verschiedenen Regelungen zu unterschiedlichen Zeiten wider, wirkte Recht überhaupt und falls ja, wie? Nicht zuletzt kann nach dem Bild vom Bürger des das Recht erlassenden Staates gefragt werden; umgekehrt aber auch nach dem Selbstbild des Staates im europäischen und internationalen Gefüge.

Diese rechtlichen und rechtshistorischen Fragen werden in meiner Arbeit interdisziplinär mit kulturpolitischen und kulturhistorischen Fragen erörtert. Im Bereich der Denkmalpflege kommen politische Vorgaben aus Kultur- und der Baupolitik zusammen, aber auch die Ressorts Finanzen und Auswärtige Angelegenheiten waren auf politischer Ebene in die Entscheidungsprozesse in der Denkmalpflege involviert. Umgesetzt wurden die politischen Vorgaben einerseits auf fachwissenschaftlicher Ebene von Kunsthistorikern und Architekten in den Arbeitsstellen des Instituts für Denkmalpflege. Gleichzeitig gab es ein breites Engagement für die Denkmale in der Bevölkerung über Heimatvereine, in Betrieben und gesellschaftlichen Organisationen. Die Frage nach dem Affirmationsbedarf von Gemeinwesen und der Aneignung von kulturellem Erbe kann daher in der Denkmalpflege an der DDR besonders gut untersucht werden.

[ 1 ] Engler, Harald/ Hasenöhrl, Ute/ Butter, Andreas, Architektur als Medium der Vergesellschaftung, in: Deutschlandarchiv vom 29.11.2012, online abrufbar unter: http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/147718/architektur-als-medium-der-vergesellschaftung, letzter Abruf: 2.7.2016.

[ 2 ] Böckenförde, Ernst-Wolfgang, Vom Wandel des Menschenbildes im Recht, in: ders./ Gosewinkel, Dieter (Hrsg.), Wissenschaft, Politik, Verfassungsgericht, Berlin 2011, S. 13.