Tobias Strahl (Sarajewo): Kulturelle Netze in (bewaffneten) Konflikten

Der konventionelle Kulturgutschutz in bewaffneten Konflikten hat sein theoretisches Fundament in der sogenannten europäischen Aufklärung, dem Historizismus und der Denkmalpflege europäischer Provenienz. Seine rechtlichen Grundlagen sind unter dem Eindruck zweier verheerender Kriege entstanden. Für den tatsächlichen Schutz von Gegenständen der Kultur in bewaffneten Konflikten ist er bis heute nicht zu operationalisieren.

Nie wurde mehr Kultur in Konflikten zerstört als im Jahrhundert der internationalen Konventionen zum Kulturgutschutz in Konflikten. In meinem Vortrag begebe ich mich anhand konkreter Beispiele auf Spuren- und Ursachensuche zur Kulturzerstörung in (bewaffneten) Konflikten. Ich versuche zu zeigen, warum der gegenwärtige Kulturgutschutz nach den ihm zugrunde liegenden Konzepten von Kultur, Erbe und Konflikt zum Scheitern verurteilt ist. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf kulturellen Netzen sozialer Kollektive, hybriden und asymmetrischen Konfliktformen und Destabilisierungsoperationen entlang kultureller Konfliktlinien.

Tobias Strahl ist 1978 in Dresden geboren. 1996 trat er als Soldat auf Zeit in das Gebirgsjägerbataillon 571 ein und wurde dort zum Gebirgsjägertruppführer und Scharfschützen ausgebildet. 1999 war er mit seiner Einheit im Ersten Kontingent der Kosovo-Force am Einmarsch in Kosovo beteiligt. Im Jahr 2000 schied er aus dem aktiven Dienst aus und wechselte als Unteroffizier in die Reserve der Bundeswehr. Von 2004-2010 studierte Tobias Strahl Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften an der Technischen Universität Dresden. Neben dem Studium arbeitete er als freiberuflicher Journalist. Diese Tätigkeit führte ihn 2005 ein erstes Mal nach Afghanistan. Während des Studiums absolvierte Tobias Strahl vier weitere Einsätze in Kosovo und Afghanistan. 2008 wechselte er in die Laufbahn der Reserveoffiziere. Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan promovierte er in den Jahren 2011 bis 2016 an der TU Dresden bei Prof. Bruno Klein und Prof. Thomas Will zum Thema Kulturerbezerstörung in den Postjugoslawischen Kriegen: 1991-1999 und 2004 Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Kosovo : eine kritische Diskursanalyse. Während dieses Zeitraums forschte und lebte er in Belgrad, Prizren und Prishtina, Sarajevo und Zagreb. Von Januar 2015 bis September 2017 führte ihn ein beruflicher Aufenthalt nach Nigeria. Seit Oktober 2017 lebt Tobias Strahl dauerhaft in Bosnien und Hercegovina. Tobias Strahl ist Major der Reserve und Interkultureller Einsatzberater am Einsatzführungskommando der Bundeswehr.

Bauhaus-Universität Weimar
Marienstr. 13 C, Hörsaal A

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