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Wolfram Höhne

Wolfram Höhne

Kurzvita

  • geb. 1974 in Dresden
  • 1993-1995 Vorpraktikum Metallrestaurierung in der Bau- und Denkmalpflege Dresden
  • 1995–2000 Diplomstudium Freie Kunst bei Prof. Fritz Rahmann, Bauhaus-Universität Weimar
  • 1999–2007 Tätigkeit als freiberuflicher Künstler
  • 2001–2005 Wiss. Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Literaturwissenschaften, Universität Erfurt
  • 2006–2016 Künstlerischer Mitarbeiter im Studiengang Medienkunst/Mediengestaltung der Bauhaus-Universität Weimar
  • seit 2008 Realisierung von dokumentarischen Filmen für Forschungsinstitutionen und das Fernsehen

Künstlerische Projekte

  • „Das Schweigen des Sichtbaren“, Spuren des Wismut-Erbes im Bundesgartenschaujahr, Gera, 2007
  • „Das Vermögen der Kunst“, Ausstellung und Deutschlandreise, Kunsthaus Dresden und Goethe-Institut Tel Aviv, 2005
  • „Was in den Sternen steht“, Wandbild für die Fachhochschule der Polizei, Rothenburg, 2004
  • „Show Your Wound“, Ausstellung und Israelreise, Goethe Institut Tel Aviv, 2003
  • „Simultane Perspektiven“, Gestaltung der Turmplattform der Technische Sammlungen Dresden, 2003
  • „Platz der Zukunft“, Utopien für den Jenaer Engelplatz in Kooperation mit dem Theaterhaus Jena, 2002
  • „Katzengold“, Ergänzungen zur Sammlung Maenz, Neues Museum Weimar, 2002
  • Partizipatorische Projekte mit der Gemeinde und der Kollwitz-Gedenkstätte Moritzburg, 2000

Filmprojekte

  • „Das Kämpfer-Gen“, Dokumentarfilm (MDR 2011)
  • „Die ganze Natur“, Filmreihe zu Goethes naturwissenschaftlichen Forschungen (Komplett Media 2010)
  • „Elham – meine Musik für Afghanistan“, Kinderdokumentarfilm (KiKa / ZDF 2014)
  • Wissensfilme für die Plattform „Studio Bauhaus“ der Bauhaus-Universität Weimar (2008-2012)
  • „Aus dem zweiten Leben“, Mitarbeit an Filmen über die Exilgeschichten jüdischer Architekt*innen, Centre for Documentary Architecture (2013-2017)

Beiträge zu Publikationen

  • Das Vermögen der Kunst (Böhlau, 2008)
  • Vom Labor zum Projekt (Verlag der Bauhaus-Universität, 2011)
  • Sammlungsdidaktik. Die ‚nicht mehr neuen‘ Medien in den Universitätssammlungen (VDG-Verlag 2016)

Kontakt

Bauhaus-Universität Weimar
Fakultät Architektur und Urbanistik
DFG-Graduiertenkolleg 2227 „Identität und Erbe“
D-99421 Weimar

Sitz: Amalienstr. 13
D-99421 Weimar

wolfram.hoehne[at]uni-weimar.de

Eine Erzählung als Denkmal. Die Methode der narrativen Rekonstruktion am Beispiel des Raumflug-Planetariums „Sigmund Jähn“ in Halle an der Saale.

Im Jahr 1978 eröffnete die Stadt Halle ihr Raumflug-Planetarium. Damals ist das Bauwerk in doppelter Hinsicht eine technische Innovation. Zeiss Jena nutzt das Planetarium, um eine neue Generation von Sternenprojektoren vorzustellen. Und es überrascht mit einer außergewöhnlichen Architektur. Seine ungewöhnliche Gestaltung verdankt das Gebäude einer Systembauweise, mit der dünnwandige Stahlbetonschalen als Fertigteile produziert zu Fassaden und Dächern zusammengesetzt werden. Im Laufe der Jahre wird das Planetarium für viele Hallenser zu einem wichtigen Teil ihrer Bildungsbiografie. Als ein Hochwasser den Bau im Jahr 2013 schwer beschädigt, entschließt sich die Stadtverwaltung zum Abbruch des inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Bis heute ist diese Entscheidung umstritten. Weil der Verlust des Baudenkmals planvoll geschieht, wird die materielle und räumliche Beschaffenheit des Baukörpers nach denkmalrechtlichen Vorgaben erfasst. Undokumentiert bleibt hingegen jene Vergangenheit, die das Haus zu einem umstrittenen Erbe werden ließ.

Ausgehend von den institutionalisierten denkmalpflegerischen Verfahren entwickelt Wolfram Höhne eine alternative Methode für die Dokumentation bedrohter Baudenkmale. Methodische Kriterien für die Auswahl von Zeugnissen, deren Anordnung zu narrativen Strukturen und die Verwendung erzählender Textformen in historiografischen Texten werden entwickelt und anhand der Objektbiografie des Raumflug-Planetariums erprobt. Während die bauliche Hülle im Winter 2018 abgetragen wird, setzt der Autor die Bruchstücke des Überlieferten zu einem historiografischen Text zusammen. Rückwärts erzählend legt die Baubiografie verschiedene Zeitschichten frei. Beginnend mit dem Nachleben des Hauses an seinem ehemaligen Standort schildert der Autor den Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR in der Nachwendezeit und führt die Leser:innen schließlich zurück an die Ursprünge moderner und sozialistischer Fortschrittsutopien. Widersprüchliche Narrative kommen dabei zur Darstellung. Den wissenschaftlich-technischen Faszinationen des Staatssozialismus werden die individuellen Lebensentwürfe von Einzelbiografien aber auch die nach der Wende dominierende Idee des Entsorgens von Altlasten gegenübergestellt.