Felicia Meynersen (Berlin): Historische Tiefe und europäische Dimension. Krisenarchäologie und Kulturerbedaten

Technische Universität Berlin
Hörsaal H 111, Hauptgebäude
Str. des 17. Juni 135
10623 Berlin

Archäologisches und historisches Wissen spielen eine zentrale Rolle in Konstruktion und Identifizierung kulturellen Erbes: Archäologen veränderten – wie andere Forscher auch – Orte in Europa und jenseits Europas, versahen Orte mit Werten und Bedeutungen und vermittelten sie. Diese Prozesse und Dynamiken sind komplex, waren oft hierarchisch und einseitig positioniert. Daher gilt es, einen kritischen Blick auf die Mechanismen zur Konstruktion kulturellen Erbes werfen. Das am Deutschen Archäologischen Institut koordinierte Archaeological Heritage Network (ArcHerNet) ist bestrebt, sich der Bedingtheiten bewusst zu sein, eigenes Handeln zu reflektieren und daraus in globaler Spiegelung zu lernen. Vor diesem Hintergrund besteht der Vortrag aus drei Teilen: Zunächst stellt er das ArcHerNet vor, ein Kompetenznetzwerk, das in Deutschland vorhandene Expertisen im Bereich der Erforschung, des Schutzes und Erhalts kulturellen Erbes bündelt und im Bereich des Kulturerhalts weltweit besser einsetzbar macht. Zweitens geht es um das erste gemeinsame ArcHerNet-Verbundprojekt ‚Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise“. In ihm werden Maßnahmen erprobt, um Grundlagen für den Kulturerhalt in Krisengebieten zu legen. Im Mittelpunkt steht dabei capacity development. Der Vortrag schließt mit einem Fallbeispiel. Betont wird somit die Notwendigkeit von Kompetenznetzwerken, Datenmanagement, demokratischer Partizipation und einer Neu-Orientierung des Wissenstransfers unter Berücksichtigung des sog. Sechs Augen-Prinzips.

Dr. Felicia Meynersen ist seit 2016 wissenschaftliche Koordinatorin von ‚Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise‘ (erstes gemeinsames Projekt des Archaeological Heritage Network) am Deutschen Archäologischen Institut Berlin. Ihren PhD erhielt sie in Klassischer Archäologie. Seit 2003 ist in der Kulturerbe-Forschung tätig, Koordinatorin des syrisch-europäischen Programms der Europäischen Union ‚Training for Preservation of Cultural Heritage‘ (2003-2005) am DAI Damaskus in Kooperation mit dem Institut Français du Proche-Orient (Aufbau einer Datenbank am Nationalmuseum Damaskus / Bauforschung in Südsyrien), wissenschaftliche Mitarbeiterin in transdisziplinären Projekten zur Urbanistik der MENA-Region im SFB 295 ‚Kulturelle und sprachliche Kontakte‘ der Universität Mainz, Hochschulassistentin am Lehrstuhl für Archäologie der Universität Saarbrücken (2006-2012), Mitarbeit im Syrian Heritage Archive Project (SHAP, 2013-2015), Lehrtätigkeit über Kulturerbe-Forschung (Universitäten Mainz, Saarbrücken, Berlin), Feldforschungen in Yemen, Jordanien, Türkei, Syrien und Frankreich sowie Grabungsassistenzen in Jordanien und Syrien. Ihre Akzente in Forschung und Lehre sind Kontakt- und Wandelphänomene, Emotionsforschung, Cultural Heritage Studies.