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Katharina Rotté

Katharina Rotté

Kurzvita

  • 2009–2017 Rhetorik, Internationale Literaturen, Renaissance Studien und Kunstgeschichte, Tübingen, Rom, Florenz und Bonn
  • 2017–2019 Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
  • Seit 2019 DAAD-Jahresstipendium, Italien

Kontakt

Bauhaus-Universität Weimar
Fakultät Architektur und Urbanistik
DFG-Graduiertenkolleg 2227 „Identität und Erbe“
D-99421 Weimar

Sitz: Prellerhaus | 3. OG | Raum 303
Geschwister-Scholl-Str. 6 | D-99423 Weimar
katharina.rotte[at]uni-weimar.de

Antike erben und vererben in Rom.
Materialität und Erinnerung an das antike Rom in der Architektur der Renaissance und des Faschismus

Rom dient bereits vor dem Ende des römischen Reiches als Vorbild für Städte wie Trier, doch mit dem Untergang des Imperiums wird seine Hauptstadt ein Geschichts- und Erinnerungsraum, der von Konstantinopel, Aachen und Pisa über Moskau bis nach Washington für städtebaulich gestützte Identitätspolitiken herhält. An Ort und Stelle der ewigen Stadt geht die Erinnerung an das antike Rom angesichts der Masse und Gegenwärtigkeit konkreter baulicher Zeugnisse nie verloren, vielmehr verläuft insbesondere im Mittelalter das Andenken, die Aneignung und die Weitergabe der antiken Architektur innerhalb einer Tradition. Seit 1500, der Zeit der Renaissance, setzt sich in Rom eine neuartige, historische Perspektive auf die Antike durch, mit der sich auch der Aneignungsmodus ändert, indem er aktiver, zielgerichteter und politischer wird. Ihren extremsten Ausdruck fand die politische Aneignung der Antike schließlich im faschistischen Rom.
Am archäologischen Gebrauch der antiken Überreste lassen sich die Formen des Andenkens, Aneignens und Weitergebens bestimmen und auch antikisierende Bauwerke sind auf diese Weise lesbar. Den Baustoffen kommt in diesem Zusammenhang eine maßgebliche Rolle zu – die Erinnerung an die römisch-antike Architektur ist nicht zuletzt deshalb immer präsent geblieben, weil diese eine beständige Bauweise mit haltbaren Materialien pflegte. Zum einen konkretisiert sich im Baumaterial das Bestreben, Architektur in die Zukunft zu vererben, zum anderen ist es das das Medium, in dem die antike Architektur zu großen Teilen rezipiert wird. Im Baumaterial verdichten sich also retrospektive Aneignung der antiken Architektur durch nachfolgende Jahrhunderte und prospektive Weitergabe.
Meine Arbeit beschreibt die Oberflächen- und Materialästhetik herausragender Bauwerke der römischen Renaissance und des Faschismus als Klassizismen, mit denen diese sich in ein zu konstruierendes Erbe architektonischer Antike einschreiben. Anhand dieses Beispiels wird eine bidirektionale Ausrichtung des Erbe-Begriffs verfolgt, der das aktive Erben und Vererben beschreibt.