Nikolai Roskamm (Erfurt): Von Dingen und Gespenstern. Ansichten einer post-fundamentalistischen Stadttheorie

Bauhaus-Universität Weimar
Marienstr. 13, Hörsaalzentrum, Hörsaal D
Beginn: 18.30 Uhr s.t.

Allgemein gesprochen steht das postfundamentalistische Denken für die Auffassung, dass letzte Gründe in letzter Instanz nicht möglich sind. Ein solches Denken behauptet nicht, dass sich alle Gründe in Luft auflösen, sondern dass sie zu Abgründen mutieren, die permanent bedrängt werden von einer Dimension der Abwesenheit und Kontingenz. Der Lauf der Geschichte, so lautet die These des postfundamentalistischen Denkens, wird von kontingenten und konflikthaften Kräften bestimmt. Kontingent bedeutet, dass alle sozialen Dinge und Abläufe grundsätzlich auch anders sein könnten, dass nichts aus sich heraus und von vornherein (vor)bestimmt ist. Deshalb, weil sie grundsätzlich kontingent sind, sind alle sozialen Abläufe auch konflikthaft. Da alles und jedes auch anders sein könnte, gibt es Alternativen. Um die Geltungsmacht dieser Alternativen wird gestritten. Damit öffnet die postfundamentalistische Kontingenzthese gleichzeitig das Feld des Konflikts.Der Vortrag umkreist aus verschiedenen Blickwinkeln die Implikationen des postfundamentalistischen politischen Denkens und stellt die Frage, ob eine darauf aufbauende Stadttheorie möglich (oder vielleicht sogar nötig) ist. Dabei werden verschiedene Positionen – etwa der hauntologische Vorstoß von Jacques Derrida, die Objektpolitik von Bruno Latour, das Recht auf Stadt von Henri Lefebvre oder das konstitutive Außen von Ernesto Laclau – aufgerufen und geprüft, ob und wie sie in der Lage sind, etwas für eine Theorie des Urbanen beizutragen.

Nikolai Roskamm (Dr. phil. habil.) ist Professor für Planungstheorie, Stadtbaugeschichte und Städtebau an der FH Erfurt. Im akademischen Jahr 2015/16 war er Gastprofessor an der TU Wien am Institut für Stadtkultur und öffentlichen Raum SKuOR. In den Jahren 2012-2014 hatte Roskamm eine DFG-Eigene Stelle an der TU Berlin zu einer Forschung über die Verbindung von politischen Theorien mit den urbanistischen Disziplinen. Roskamm ist Mitglied des Redaktions- und Herausgeberkollektivs von sub\urban. Zeitschrift für kritische stadtforschung und assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs Identität und Erbe. Im Jahr 2011 veröffentlichte er die Monographie Dichte. Eine transdisziplinäre Dekonstruktion bei transcript. 2017 erschien sein Buch Die unbesetzte Stadt. Postfundamentalistisches Denken und das urbanistische Feld als Bauwelt-Fundament bei Birkhäuser / De Gruyter.