»Praktiken des Erbens« / 4. Jahrestagung am 19./20. November 2020

Praktiken des Erbens – Metaphern, Materialisierungen, Machtkonstellationen

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Identitäten werden durch konkrete Bezugnahmen auf Vergangenheit geformt. Diese Bezugnahme auf Vergangenheit, die von materieller oder auch immaterieller Gestalt sein kann, lässt sich als Praxis des Erbens begreifen. Allerdings wird diese Erbepraxis nicht durch stabile Erbebeziehungen geprägt, sondern stellt einen öffentlichen und konfliktdurchzogenen Aneignungsprozess dar. Mit einer Perspektivierung der ‚Praktiken des Erbens‘ sollen nun eben nicht die konkreten ‚Erinnerungsorte‘ (Pierre Nora), sondern die unterschiedlichsten sozialen und institutionalisierten Praktiken sowie die kulturellen Techniken der Bezugnahme auf Vergangenheit und Konstitution von Identität thematisiert werden.

Erben als kulturelle Technik eines (legitimierten und legitimierenden) Vergangenheitsbezuges steht hier in einem doppelten Spannungsverhältnis zu seinem juristischen Pendant. Einerseits wird das Erbe, hier verstanden als Kulturerbe, nicht durch den Erblasser definiert und (aufgeteilt) weitergegeben, sondern als öffentliches Gut definiert und aktiv als solches durch die Öffentlichkeit als Gesamtheit angeeignet. Andererseits unterscheidet sich die Herausbildung der Identität der Erbengemeinschaft gerade in ihrem Verhältnis von Erbe und Erbengemeinschaft: Während das zivile Erbe eine Erbengemeinschaft voraussetzt und festschreibt, eröffnet gerade die öffentliche Partizipation und Anerkennung des (Kultur-)Erbes als öffentliches Gut erst eine vielstimmige Gemeinschaft der Erben. Dabei ist nicht zu vergessen, dass auch das Kulturerbe in seiner identitär-geschlossenen Form auf die Interdependenz von Kulturerbe und Erbengemeinschaft aufbaut. Die 3. Jahrestagung des DFG-Graduiertenkollegs 2227 „Identität und Erbe“ will nun diese Ambiguität des Erbebegriffes im Hinblick auf die Erbepraxis näher beleuchten.

Am 19. November sprechen eingeladene internationale Gäste zu den thematischen Feldern (A) Erbe als Metapher – Metaphern des Erbens, (B) Erben als soziale Praxis und (C) Stadt erben: Materialisierungen und Diskursivierungen.

Am 20. November findet die von den Kollegiat*innen des Kollegs konzipierte Sektion (D) Erben als Kulturtechnik statt. Den Call for Papers für diese Sektion finden Sie hier auf deutsch und hier auf englisch. Abstracts (300 Wörter) und CV werden bis zum 31. Juli erbeten an Simone Bogner, cfp[at]identitaet-und-erbe.org. Alle weiteren Informationen entnehmen Sie dem Call.

**Englisch Version**

Practices of Inheritance – Metaphors, Materializations, Power Constellations

Identities are formed through concrete references to the past. This reference to the past can be understood as a practice of inheritance, which can be of material or immaterial form. However, this inheritance practice is not shaped by stable inheritance relationships but represents a public and conflict-ridden process of appropriation. By taking a perspective on the ‚practices of inheritance‘, we would like to examine the diverse social and institutionalized practices and the cultural techniques of referring to the past and identity-construction.

Inheritance as a cultural technique of a (legitimizing and legitimizing) reference to the past is here in a double tension with its legal counterpart. On the one hand, heritage understood as cultural heritage is not defined and (divided) passed on by the testator, but is defined as a public good and actively appropriated by the public. On the other hand, the formation of the identity of the community of heirs differs precisely in the relationship between the inheritance and the community of heirs: while civil heritage presupposes and establishes a community of heirs, it is precisely the public participation and recognition of (cultural) heritage as a public good that opens up a polyvalent community of heirs. It should not be forgotten that cultural heritage in its identity-closed form is also based on the interdependence of cultural heritage and a community of heirs. The 3rd Annual Conference of the DFG Research Training Group 2227 „Identity and Inheritance“ now wants to shed more light on this ambiguity of the concept of inheritance concerning inheritance practice.

On 19 November, invited international guests will speak on the thematic fields of (A) Inheritance as a Metaphor – Metaphors of Inheritance, (B) Inheritance as Social Practice, and (C) Inheriting the City: Materialization and Discoursification.

On 20 November, the section (D) Inheritance as a Cultural Technique will take place. The Call for Papers for this section can be found here in German and here in English. Please send an abstract (300 words) and CV until 31 July to Simone Bogner, cfp[at]identitaet-und-erbe.org.