WITH/OUT IDENTITY. Zur Frage von Identitätskonstruktionen in Raum, Erbe und Communities

Der Identitätsbegriff erfährt heute in verschiedenen Disziplinen eine kritische Bearbeitung. Seine Unschärfe und die problematische Tendenz, den Begriff zu essentialisieren, führen einerseits dazu, dass die Verwendung des Begriffs bewusst vermieden wird. Andererseits bildet der Rückgriff auf Konzepte von Identität und Identitätsbildung einen wichtigen Bezugsrahmen – insbesondere für jene Communities, denen die Möglichkeit abgesprochen wird, Geschichte, Erinnerung und Wissensbestände selbst zu artikulieren.

Die Konstruktion von Räumen und Kulturerbe ist von entscheidender Bedeutung für die Frage, wie Identität in sozialen, politischen und damit auch in physischen Räumen angeeignet, ausgehandelt oder behauptet wird. Die 7. Jahrestagung des Graduiertenkollegs versteht den Identitätsbegriff daher als Projektionsfläche, mit deren Hilfe sich Gruppen und Communities konstituieren und in Bezugnahme auf räumliches wie materielles Kulturerbe Gemeinsamkeiten imaginieren. Für eine kritische Untersuchung von Identitätskonstruktionen greift die Tagung aktuelle und gesellschaftspolitische Aushandlungsdiskurse um Erbe und Raum aus Sicht verschiedener Disziplinen auf.

Die eingeladenen Redner*innen aus dem Feld der Architektur, (Kunst)Geschichte, Soziologie, Politikwissenschaft und Denkmalpflege werden in fünf Panels Ergebnisse und Fragestellungen aus aktuellen Forschungsprojekten präsentieren. Das klassische Tagungsformat wird durch zwei Keynote-Vorträge und eine Filmvorführung ergänzt. Ein besonderer Schwerpunkt widmet sich der Frage nach den Identitätskonstruktionen, mit denen die Gestaltung von Zukünften begründet wird. Weiterhin werden alteritäre Raumkonzepte, die aktuellen Transformationen musealer Narrative und umstrittene Erbekonstruktionen diskutiert, sowie Beispiele von (De)konstruktionen kolonialer Identität und die Identitätskonstruktionen aus der Perspektive marginalisierter Communities vorgestellt.

Die 7. Jahrestagung „WITH/OUT IDENTITY“ des DFG-Graduiertenkollegs „Identität und Erbe“ findet vom 23.11. bis 24.11.2023 an der Bauhaus-Universität Weimar statt (Oberlichtsaal im Hauptgebäude, Geschwister Scholl Straße 8).

Zur Online-Teilnahme (Videokonferenz)

Programmheft (PDF)

Programm

23.11.2023

10:10

Lokale Identitätskonstruktionen in digitaler Transformation: An den ‚Peripherien‘ einer globalisierten Welt (DE)

Jae-Young E. Lee

Details…

23.11.2023

15:40

Verhandlung der Identität Teherans: Die räumlich-diskursive Assemblage um den Wiederaufbau von Baladiyeh (EN)

Solmaz Yadollahi

Details…

24.11.2023

09:15

Gefühl und Gewalt: Malerische Architektur und Stadtplanung im englisch- und deutschsprachigen Raum seit dem 18. Jahrhundert. Ein ästhetisches Konzept affektiver Kontrolle und (sozial)räumlicher Segregation (DE)

Philipp Krüpe

Details…

24.11.2023

09:55

Vorstellungen historisch determinierter Stadtidentität und exklusive Erinnerungspolitik in der ‚Marinestadt‘ Wilhelmshaven (DE)

Leon Biela

Details…

24.11.2023

15:00

Unsichtbares Erbe, Segregierte Räume: Untersuchung sozialräumlicher Aushandlungsprozesse hochqualifizierter indischer Migrant*innen in Frankfurt am Main (EN)

Dhara Patel

Details…

24.11.2023

15:40

„Wir stehen hier schon ein paar hundert Jahre“: Verhandlungen über Erbe und Identität im Amsterdamer Rotlichtviertel (EN)

Nina Gribling

Details…

24.11.2023

16:50

Das Forschungs- und Vermittlungsprojekt «A Future for whose Past? The Heritage of Minorities, Fringe Groups and People without a Lobby» zum 50. Jubiläum des Europäischen Denkmalschutzjahres (DE)

Regine Hess

Details…